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Wein

Klein, aber fein

Im Vergleich zu den großen deutschen Weinanbaugebieten, wie Pfalz und Rheinhessen, spielt der Mittelrhein mit seinen rund 500 Hektar Rebfläche eine bescheidenere Rolle. Er ist das drittkleinste Weinanbaugebiet unter den dreizehn deutschen Weinlandschaften. Masse ist hier weniger gefragt, dafür besitzen die Weine des Mittelrheins umso mehr Klasse. Sie reifen im Unesco-Welterbetal fast immer in schwindelerregenden Steillagen, welche die Wärme der Sonne in ihren Hängen speichern. In den Weinbergen zwischen Trechtingshausen und Boppard herrscht der Rheinschiefer vor, während sich nördlich davon schon eher bimshaltige Böden durch den Eifelvulkanismus und Lößablagerungen durchsetzen. Der unumfochtene Star unter den Mittelrheinreben ist der Riesling, der hervorragende Weine mit viel Körper, knackiger Säure und feinem Bukett hervorbringt.

Die Weinregion des Rheingau

Elegant und spritzig

Mit den Weinlagen von Rüdesheim bis nach Lorchhausen besitzt das Unesco-Welterbetal auch Anteil an einem der facettenreichsten und weinhistorisch bedeutsamsten Weinregionen in Deutschland. Denn hier wurde 1775 die Spätlese erfunden. Der Rheingau erstreckt sich auf rund 3000 Hektar Rebfläche von Flörsheim am Main bis Lorchhausen am Rhein. Die Taunushöhen schützen vor kalten Wintereinflüssen, und der Rhein bringt als Sonnenreflektor und zusätzlicher Wärmespeicher weitere „mildernde“ Einflüsse in die klimatisch begünstigte Region. Böden aus Schiefer, Quarzit, Kiesel und Sandsteinen erzeugen rassige, kernige Weine, während auf tiefgründigen, kalkhaltigen Böden vollmundige, kräftige Tropfen gedeihen. Auch hier ist der Riesling des Winzers Liebling.

 

Die Weinregion Rheinhessen

Vielfältig und innovativ

Der Goliath unter den Weinregionen beeindruckt mit einer Anbaufläche von gut 26000 Hektar. Rheinhessen erstreckt sich vom Rhein bei Bingen über Mainz und Worms bis an die pfälzische Weinbaugrenze im Süden des Landes Rheinland-Pfalz. Mit einem kleinen Anteil bringt Bingen rheinhessische Weinlagen mit in das Unesco-Welterbetal. Die Größe und Vielfalt der rheinhessischen Landschaft bedingt auch die Fülle an unterschiedlichen Böden und Rebsorten. Lößböden stellen den größten Teil dar. Unter den Trauben-Favoriten liegt der Müller-Thurgau, der auch als Rivaner einen Sommertag am Rhein locker-beschwingt verschönern kann, an erster Stelle. Ihm folgt der Riesling und als dritter im Bunde der Silvaner. Letzterer ist als „Spargelwein“ der elegante Begleiter für das königliche Gemüse, das auch in der Umgebung von Bingen gut gedeiht.

Die Weinregion Nahe

Fruchtbetont und filigran

Mit 4600 Hektar Rebfläche gehört die Weinregion Nahe zu den Mittelfeldspielern in der deutschen Weinbau-Equipe. Soonwald und Hunsrückhöhen schützen das Nahetal vor kalten Winden und übermäßigem Niederschlag. Die meist trockenen Spätsommer ermöglichen eine lange Reife und sind somit für den Riesling ein ideales Anbaugebiet. Müller-Thurgau und Silvaner gehören wie in Rheinhessen zu den „TOP Drei“, zeigen aber durch das typische Nahetalklima und die unterschiedlichen Bodencharaktere von Porphyr, Schiefer, Rotsandstein, Mergel, Quarzit und Lehm schon innerhalb einer Traubensorte höchst vielfältige Geschmacksrichtungen. Die Gegend um Münster-Sarmsheim, kurz vor der Nahemündung bei Bingen, liefert den vierten Partner innerhalb der Weinregion Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Weingeschichte Mittelrhein

2000 Jahre Seligkeit und Weingeschmack

Viele Namen für Orte und heutige Weinlagen haben keltischen Ursprung. Den Weinbau brachten hingegen die Römer aus Italien mit an den Rhein. Seit Cäsars Gallienfeldzügen waren die Römer auch im Welterbetal präsent, brachten ihre Kultur und nicht zuletzt ihre Weinbautradition mit an die Ufer des Mittelrheins.

Im 5. Jahrhundert gaben die Römer das Rheintal auf und die Franken zogen ein. Den ersten Beleg für Weinbau am Mittelrhein liefert um die Mitte des siebten Jahrhunderts eine Königsurkunde aus der Merowingerzeit. Besitzungen von Klöstern und Stiften wurden von dieser Zeit an zu wichtigen Quellen für die Weinbautätigkeit. Mit dem 11. Jahrhundert gelangte der Weinbau vermehrt auch in die Steillagen. Der Rhein vom Mittelrhein wurde begehrtes Gut, und nicht von ungefähr entwickelte sich Bacharach zum wichtigen Weinhandelsplatz. Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges gingen auch am Rheintal nicht spurlos vorüber. Der Weinbau erfuhr in dieser Zeit einen herben Einschnitt. In den späteren Jahrzehnten erholte sich die Region langsam wieder. Erst die Reblaus, die ab 1884 das Rheintal heimsuchte, bedrohte den Weinbau erneut. Viele Weinstöcke mussten aus den Böden gerissen und verbrannt werden. Mancher Winzer am Mittelrhein sattelte auf Obstbau um. Seit der Bildung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz gehört der Mittelrhein zu einem der sechs Weinbaugebiete des Landes.

UNESCO Welterbe